Systematische Parodontitis-Behandlung

 
 

 

Die Parodontitis ist eine Volkskrankheit, wovon der überwiegende Teil der Bevölkerung betroffen ist. Fälschlicherweise wird sie umgangssprachlich als „Parodontose“ bezeichnet. Ursachen sind Keime und Bakterien im Zahnbelag (Plaque), im Zahnstein (am Zahnfleischrand sichtbar) und in Konkrementen (in der Zahnfleischtasche mit der Sonde tastbar).

Durch Einlagerung von Mineralien in die Plaque entstehen Zahnstein und Konkremente. Dort abgesonderte Giftstoffe verursachen eine erste Entzündung (Gingivitis) in der Zahnfleischtasche, die sich zu einer Parodontitis weiterentwickeln kann und bei der es zu einem Zahnfleisch- und Knochenrückgang kommt.

Sichtbar sind freiliegende Zahnhälse und Zahnlockerung mit der Gefahr, Zähne zu verlieren und schwere Allgemeinerkrankungen zu fördern. Es treten spezielle, aggressive Formen der Parodontitis auf.

Wichtig: Regelmäßige Zahnarztbesuche und erste Anzeichen wie Zahnfleischblutung, -rötung, -schwellung und Mundgeruch ernst nehmen.

Mit Hilfe des PSI-Code (0 – 4), der mit einer speziellen kleinen Sonde durchgeführt wird, kann bei jedem Patienten, unabhängig vom Lebensalter, eine eventuelle parodontale Behandlungsbedürftigkeit festgestellt werden. Dieser Index ist Bestandteil jeder Basisuntersuchung.

Die systematische Parodontalbehandlung gliedert sich in drei große Abschnitte

Phase I: Initial- bzw. Vorbehandlung
Phase II: korrektive Therapie bzw. eigentliche Behandlung
Phase III: Unterstützende Nachsorge.

Phase I: Ziel ist es, entzündliche Veränderungen zu beseitigen, das Fortschreiten der bestehenden Erkrankung zu stoppen und plaque- bzw. zahnsteinfreie orale Verhältnisse zu schaffen. (siehe professionelle Zahnreinigung): In diesem Zusammenhang sind unabdingbar: Patientenmotivation und –instruktion, Kontrolle, Patientenmitarbeit, Intensivierung der Mundhygiene, Ernährungsberatung, Einfluss von Stress, Rauchen, bestimmte Allgemeinerkrankungen werden erfasst und besprochen. (siehe Funktionsanalyse und –therapie).

Phase II: Vor der Parodontalbehandlung muss ein Antrag bei der gesetzlichen Krankenversicherung gestellt werden. Dieser wird nur dann bewilligt und ist zuzahlungsfrei, wenn der Zahnarzt eine gute Mundhygiene, erfolgreiche Vorbehandlung (Phase I) und ein gute Prognose für den Erfolg der Behandlung nachweisen kann. In der korrektiven Therapiephase werden unter Lokalanästhesie parodontal-chirurgische Behandlungen, Extraktionen und gegebenenfalls eine funktionelle Therapie durchgeführt. Ablagerungen in den Zahnfleischtaschen auf der Wurzeloberfläche der Zähne (Konkremente) sowie entzündlich verändertes Gewebe aus den Zahnfleischtaschen werden mit speziellen Instrumenten beseitigt. Um eine Keimneubesiedelung zu verhindern, sollten die einzelnen Behandlungen innerhalb weniger Tage ablaufen. Antibiotika sind bei Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen oder speziellen Verlaufsformen der Parodontitiserkrankungen notwendig.

Phase III: Parodontitis erkrankte Patienten müssen als chronisch erkrankte Patienten angesehen werden, die einer ständigen Kontrolle und Remotivation bedürfen. In der unterstützenden Nachsorge werden die Patienten in ein systematisches Recall aufgenommen, welches unverzichtbarer Bestandteil der gesamten Behandlung ist. (siehe Recall) Eine gewissenhaft durchgeführte, unterstützende Nachsorge (wiederholt Zahnstein, Konkremente und Plaquekontrolle bzw. -entfernung) im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung ist nötig.